Die Amerikalinie

 

Die Auswandererzüge des ausgehenden 19. und jungen 20. Jahrhunderts gaben der Eisenbahnlinie von Berlin über Stendal und Uelzen nach Bremerhaven den Beinamen Amerikalinie. Zu Tausenden verließen junge Familien Deutschland um in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ihr Glück zu suchen. Für zusätzlichen Verkehr sorgen die Auswandererströme aus Galizien und Rußland. Schon 1891 wurde deshalb in Berlin-Ruhleben ein Bahnhof gebaut den über 100.000 Menschen im Jahr auf dem Sprung in eine ungewisse Zukunft passierten. Erste Station nach der Eisenbahnreise war stets der, über den Schienenweg gut erreichbare, Überseehafen am Kolumbus-Kai in Bremerhaven. Noch 1938 passierten täglich bis zu 64 Züge die Strecke.

Dominierten vor dem Krieg auf der zweigleisigen Strecke noch die Dampflokomotiven erfolgte der Wiederaufbau zunächst eingleisig für elektrische Zugförderung. Die Strecke ist durchgehend mit Tempo 160 zu befahren, viele Bahnübergänge wurden geschlossen oder durch Brücken ersetzt. Betrachtet man die Fahrzeiten, wird der Vorteil für die Reisenden schnell sichtbar. 1939 benötigte ein Zug des Nahverkehrs bei Halt an jeder Station zwischen Uelzen und Salzwedel eine Fahrtzeit von einer Stunde und zwölf Minuten. Die Regionalbahn des Jahres 2000 bewältigte die Strecke in nur noch 35 Minuten. Bei durchgehenden Verbindungen reduzierte sich die Reisezeit von 36 auf 24 Minuten.

Erste Überlegungen zum Bau einer Eisenbahn zwischen den Kreisstädten Salzwedel und Uelzen wurden bereits um 1855 angestellt. Es dauerte nahezu 20 Jahre ehe die Streckenführung klar und die Bauarbeiten abgeschlossen wurden. Zunächst gab es im Wendland zahlreiche Bestrebungen die nicht Uelzen anbinden wollten. Vielfach gab man einer Bahnlinie über Lüchow, Dannenberg und Hitzacker den Vorzug. Diese hätte dann nicht in Uelzen sondern in Bevensen oder Lüneburg die bestehende Staatsbahnstrecke Lehrte-Harburg erreicht. Letztlich setzten sich aber die Uelzer Interessen durch und die kleine Heidestadt wurde zum bedeutendsten Bahnhof in der Region.

Erst nach 1945 mit dem Ende des zweiten Weltkrieges verlor die Amerikalinie ihre Bedeutung. Zwar rollten noch bis 1951 Züge von Bergen nach Salzwedel aber der Verfall der einst wichtigen Ost-West Verbindung war nicht mehr aufzuhalten. Auf östlicher Seite verschwanden die Gleise sofort. In Niedersachsen wurde Nienbergen zum provisorischen Endpunkt der Strecke. Der Verkehr mit Reisezügen wurde in den siebziger Jahren eingestellt, Güterverkehr gab es bis 1990 nur noch bei Bedarf.

Der Fall der innerdeutschen Grenze am 09. November 1989 zog sofort Überlegungen zur Reaktivierung der Strecke nach sich. Dennoch dauerte es weitere 10 Jahre - erst am 19. Dezember 1999 wurde der Reisezugverkehr wieder aufgenommen. Güterzüge rollen seit März 2000 und sorgen bei vielen Anwohnern für Unmut. Kaum jemand hatte über 40 Jahre an einen Eisenbahnbetrieb gedacht - manch einer zu dicht an den Schienen gebaut.

In den Jahren 2012/2014 wurden dann lange geplante Aktivitäten zum zweigleisigen Ausbau erkennbar. Zwischen Salzwedel und Stendal sind die Arbeiten ausgeschrieben, im Bereich des Bahnhofs Uelzen wurde der Bau des Veerßer-Bogens vollendet.

Alle wichtigen Daten haben wir in einer Zeittafel zusammengefaßt. Sollte etwas fehlen, freuen wir uns über eine eMail.

 

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